15.05 / Anders Wohnen im Alter Winkelhalden, Oberrieden

Studienauftrag, 1. Rang, 2015-2016

in Planung seit 2016

Einige Gedanken zum Projekt

Als Architekten und Städteplaner versuchen wir seit dem Beginn unserer Tätigkeit immer wieder an konkreten Beispielen aufzuzeigen, dass dort, wo ein Anknüpfen an bestehende gebaute Strukturen nicht möglich ist, wo man sich zum Wohnen sozusagen aufs Land hinausbegeben muss, möglichst immer nur dichte, niedrig gehaltene Ensembles geplant und gebaut werden sollen. Dieser Perspektive liegt das unbedingte Anliegen zugrunde, anstelle eines Nebeneinanders von einzelnen Bauten Orte zu schaffen, die in ihrer gesamtheitlichen Qualität Gegenstand der Identifikation und Zuneigung der Bewohner sein können.

Zitat aus: Atelier 5, Siedlungen, Anatole du Fresne, Ammann Verlag, Zürich, 1984

 

Wie können nun Siedlungen mit diesem „Glaubensbekenntnis“ geplant werden, um solch hohe Qualitäten in allen Facetten des Wohnens zu erreichen?

Eine Siedlung ist dann - und nur dann - eine Gruppe von Häusern, wenn sie als Gesamtes, als klar identifizierbare Einheit gedacht und gestaltet ist, wenn ein Haus nicht das andere zu dominieren sucht, Häuser, Wohnungen Gemeinschaftsanlagen und Freiräume so angelegt sind, dass sie von den Bewohnern in einer Weise genutzt werden können, die das Zusammenleben an diesem Ort zur Selbstverständlichkeit werden lässt.

Je dichter die einzelnen Häuser zueinander stehen, desto wichtiger wird die klare Trennung von privaten, halbprivaten und öffentlichen Bereichen.

Das Mass der Differenziertheit im Zusammenspiel von privatem und öffentlichem Leben ist vielleicht das bestimmende Element überhaupt für die Qualität einer Siedlung.

Die Häuser - in der Regel dreigeschossig - sind immer raumbegrenzendes, Plätze und Wege bildendes Element. Das Äussere jeder Anlage wird in seiner Gesamtheit einheitlich durchgestaltet, in der Absicht, das Ganze zusammenzubinden.

Richtet sich der Blick aus der eigenen Wohnung gegen das Innere der Siedlung, dann trifft er nicht auf einzelne Häuser, sondern immer auf Teile eines Ganzen, und da die flachen Dächer begrünt sind, verschmelzen oft Gebautes und Landschaft zu einer Einheit.

Auch bei genauerem Hinsehen ist kaum zu erkennen, welche der Wohnung nun grösser und teurer ist als die andere. Dies ist kein Zufall, sondern eine Folge der Haltung, die davon ausgeht, dass es sich leichter leben lässt, wo Unterschiede an Einkommen und Besitz nach aussen hin nicht sichtbar werden.

Der private Bereich (das Wohnzimmer, das Schlafzimmer, die Loggia, der Balkon) ist gut vor Einblicken geschützt. Der halbprivate Bereich (Wohnungseingänge, Vorplätze der Wohnungen, Vorgärten) ist zum öffentlichen Bereich hin geöffnet. Der öffentliche Bereich (Wege, Plätze und Gemeinschaftseinrichtungen) ist immer so angelegt, dass die Privatsphäre der Häuser gesichert ist.

Die Garage ist nie direkt mit dem eigenen Treppenhaus verbunden. Der Weg vom Auto zur Wohnung führt immer über die öffentlichen Bereiche und belebt diese auf selbstverständliche Art.

 

Auszüge aus: Atelier 5, Siedlungen, Anatole du Fresne, Ammann Verlag, Zürich, 1984 mit Ergänzungen von Oester Pfenninger Architekten

Planungsteam

  • Auftraggeber – Winkelhalden AG
  • Architektur – Hanspeter Oester Reto Pfenninger Architekten / Wettbewerb: Andreas Weiz, Christoph Schlup (PL) / Projektierung: Julia Rubin (PV), Christoph Schlup (PL), Lea Losinger
  • Baumanagement – b+p baurealisation ag
  • Landschaftsarchitektur – Nipkow Landschaftsarchitektur BSLA SIA
  • Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG Bauingenieure SIA usic mit Gudenrath AG 
  • Bauphysik – bakus Bauphysik & Akustik GmbH
  • Haustechnik – Sustainable System Solutions GmbH