Zum Hauptinhalt springen

25.08 / Neubau Bienenforschungszentrum, Posieux

Projektwettbewerb im offenen Verfahren, 2025

Planungsteam
Auftraggeber – Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, Bern
Architektur – op-arch | Carina Keller, Lou Jeandel, Sarah Weber
Gebäudetechnik – eicher+pauli AG, Luzern
Modell – Gruber Forster, Zürich
Visualisierung - ponnie images, Zürich

Projektbeschrieb

Mehr als nur ein Haus

Ein neuer Ort für die Bienenforschung, der den wichtigen Themen zur Nachhaltigkeit, zum schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen und zur Ernährungssicherung verbunden sein soll. Ein Bauwerk zur Erforschung der Zusammenarbeit von Mensch und Natur hat nicht nur die Aufgabe dieser Nutzung einen Raum zu geben, sondern besitzt die Chance die Themen selbst zu verwirklichen und zum Ausdruck zu bringen. Das naturnahe und ressourcenschonende Bauen mit energiesparender Umsetzung und Materialisierung sowie einer lokalen Wertschöpfung zusammen mit einer intelligenten Kreislaufwirtschaft ist das Grundprinzip unseres Beitrags «more than house».

Vision Campus Agroscope

Das Projekt des Bienenforschungszentrum bereichert den Campus Agroscope um einerseits den Baukörper entlang der zentralen Verkehrsachse andererseits um einen reichhaltigen Freiraum, der nicht nur den Bienen und ihrer Erforschung dient, sondern auch den Menschen auf dem Campus einen neuen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität bietet. Direkt an der Verkehrsachse zwischen Posieux und Grangeneuve und damit dem öffentlichsten Ort des Agroscope, erfüllt das Bienenforschungszentrum eine kommunikative Aufgabe. Die schaufensterartigen, aus der Bestandsmauer herausgeschnittenen Öffnungen gewähren Einblicke in die Werkstatttätigkeiten sowie das Eingangsfoyer im Erdgeschoss. In den Obergeschossen sorgen die Bandfenster für Ein- und Ausblicke und eine kommunikative Beziehung von Innen- und Aussenraum.

Auf der Mauer

Das Gebäude fügt sich an die bestehende Stützmauer. Diese wird nicht abgerissen, sondern die notwendigen Öffnungen werden lediglich ausgeschnitten, überstehende Schnittspuren an den Fensterecken bleiben sichtbar und verdeutlichen den schonenden Umgang mit dem Bestand. Die Vermittlung zwischen Arealniveau und Weidenniveau wird aufgegriffen und mit unterschiedlichen Ausblicken aus den Erschliessungsräume in die Umgebung spürbar gemacht. Die räumliche Organisation ist effizient und mit 3 Geschossen möglichst kompakt gehalten. Jeder Raum hat eine klare Zuweisung zum jeweiligen Aussenraumniveau. Während Werkstätten, Büro- und Teamraum sowie die Laborräume eine Beziehung zum Campusareal haben, sind die Räume der Honigtechnologie stark mit dem vegetativ reichhaltigen Weidenniveau verbunden. Die Raumorganisation in Schichten sowie das klare Tragwerksprinzip erlauben eine einfache Erweiterung des Forschungszentrums Richtung Osten.

Ein Kern aus Lehm, ein Skelett aus Holz und eine Re-Use-Hülle

Der Kern des Baukörpers bildet die zentrale Raumschicht mit Treppe, Warenlift und dienenden Räumen. Die Besonderheit dieses, alle Räume miteinander verbindenden Elements wird mit der Ausführung in Stampflehm als kreislauffähiger Baustoff zum Ausdruck gebracht. Die 40cm starken Wände sorgen auf natürliche Weise und ohne technischen Aufwand für ein angenehmes Raumklima. Als Speichermasse sorgt sie im Sommer für einen Teil der Kühlung und im Winter speichert sie die Wärme. Nicht zuletzt vermag der Lehm eine natürliche Feuchteregulierung zu übernehmen. An den beiden Wänden der Stirnseiten zieht sich das Thema des Stampflehms fort wobei die idealen Eigenschaften des Lehms genutzt werden, klimaschonend und energieeffizient, nämlich ohne zusätzliche Dämm- und Verkleidungsschichten zu bauen. Neben dem tragenden Kern ist das Tragwerk aus Holzstützen und -trägern vorgesehen, die Decken werden mit Massivholzplatten umgesetzt. Sämtliche Verbindungen berücksichtigen Montage-Demontage-Zyklen und sind rückbaubar. Im Bereich der Laborräume wird mit schwereren Holzdecken sowie einer dichteren Trockenschüttung für die notwendige Masse als Erschütterungsschutz gesorgt. Für die Längsfassaden werden Holzelemente mit eingepassten Re-Use-Fenstern vorgesehen. Die abweichenden Fenstermasse werden mit dem Holzelement aufgenommen und als raumhohes, vorgefertigtes Element inklusive der Fenster vor Ort montiert. Die Brüstungsverkleidung ist in Trapezblechelementen vorgesehen, da dieses Material aus Rückbauten erfahrungsgemäss in sehr grossen Mengen zur Verfügung steht.

Low-Tech-Effizienz

Die Technikräume werden zentral im mittleren Geschoss angeordnet, sodass die Wege der Leitungsführungen möglichst kurz gehalten werden. Für die Vertikalerschliessung stehen zwei grosse, zugängliche Steigzonen im Gebäudekern zur Verfügung. Alle Nutzungen mit einem höheren lüftungstechnischen Anspruch (Lüften und Entfeuchten) konzentrieren sich auf das dritte Geschoss. Anspruchsvollere Lüftungskanäle können daher auf ein Geschoss beschränkt werden. Die in das Schrägdach integrierte, nach Süden ausgerichtete PV-Anlage ist als «Indach-System» konzipiert. Dadurch kann die zur Verfügung stehende Dachfläche effizient genutzt werden und die PV-Module bilden zugleich die Dachdeckung.

Die vegetativ reichhaltige Bienenweide

unterstützt die Bienenforschung und erhöht die Aufenthaltsqualität Menschen auf dem Campus. Die bienenfreundliche Pflanzung sieht ein gestaffeltes, vielfältiges Blütenangebot mit einheimischen Arten vor. Ergänzt wird dies durch Steinhaufen, Tothölzer und kleine Wasserflächen, die vor allem im Sommer zur Abkühlung der Bienen hilfreich sind. Zudem stehen Bäume zur Verfügung, die der Propolisproduktion dienen. Büsche und Sträucher aus Himbeer oder Brombeer, Disteln und Flieder sowie Holunder und Weissdorn dienen einerseits als Windschutz der Flugkorridore andererseits als Sichtschutz zum Areal und zu vorbeilaufenden Menschen. Entlang des Hochwasserschutzwalls reihen sich Apfel-, Kirsch- und Zwetschgenbäume und säumen das Gelände entlang der Rte de Fribourg. Durch ein ebenfalls eingeschnittenes Loch in der bestehenden Stützmauer und den dahinterliegenden Treppenaufgang, ist das obere Niveau mit dem Areal fussläufig erschlossen und das CA-Gebäude über einen Spazierpfad angebunden. Der Beobachtungsraum wird als separater Pavillonbau aus Re-Use-Material wie Konstruktionsholz und Verkleidungselementen erstellt.