25.03 / Wohnsiedlung Untere Spichermatt, Stans
Studienauftrag 2025, 2. Rang
Planungsteam
Auftraggeber – Logis Suisse AG
Architektur – op-arch | Veronica Callà, Pablo Grünig, Sarah Weber
Freiraum – S2L Landschaftsarchitektur, Zürich
Soziologie – sofa*p, Zürich
Architekturhistoriker – Dr. Ueli Habegger, Luzern
Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG, Zürich
HLKS Ingenieure – eicher+pauli AG, Luzern
Elektroplaner – HKG Engineering AG, Rotkreuz
Visualisierung – indievisual AG, Zürich
Ausgangslage
Auf der "Untere Spichermatt" im Westen der Gemeinde Stans soll für die Logis Suisse AG eine zukunftsgerichtete Siedlung mit 286 preisgünstigen Wohnungen sowie Gewerbe und Sozialräume entstehen.
Freiräumliches Konzept
Das stadt- und freiräumliche Konzept baut auf einer positiven Haltung gegenüber den unterschiedlichen – und herausfordernden – Rändern auf. Es entstehen Freiräume am Rand der Bebauung, welche als funktionale, räumliche aber auch soziale Anknüpfungspunkte an die umliegenden Stadtstrukturen fungieren.
Die städtebauliche Setzung mit den zahlreichen Durchlässen ermöglicht ein zusammengehöriges Netz aus Freiräumen mit unterschiedlichen Qualitäten. Die Orte unterscheiden sich sowohl bezüglich Intensität, Intimität aber auch stadtklimatischer Bedingungen. Die Freiräume sind so vielfältig wie die Bewohnerinnen & Bewohner der Unteren Spichermatt und deren sich wechselnden Bedürfnisse: Laute und umtriebige Orte am Rand, kleinteilige und blumig-grüne Nischen im Hof, gemeinschaftliche, offene Plätze und schattig-feuchte Naturoasen. Dank der fliessenden Übergänge zwischen diesen verschiedenen Räumen und einer abgestimmten Gestaltung wachsen die verschiedenen Atmosphären zu einem Ganzen
zusammen.
Die Vielfalt zeichnet sich auch in einer hohen Biodiversität aus. Sehr unterschiedliche Lebensräume werden jeweils mit einer hohen ökologischen Qualität ausgebildet – von trockenwarmer Ruderalvegetation auf den Kiesplätzen, über die üppigen Gartenstrukturen im Hof bis zu den wechselfeuchten Lebensräumen beim Dorfbach bieten diese Orte wichtige Lebensräume für Fauna und Flora aber sind auch ein vielfältiges Naturerlebnis.
Kontakt zur Stansstaderstrasse
Entlang der Stansstaderstrasse entsteht eine fein gestaffelte Raumabfolge kleiner Plätze als Kontaktzone zwischen den Gebäuden mit den Gewerberäumen im EG und dem Trottoir. Es entstehen Orte von leicht unterschiedlicher Bedeutung je nach Grösse und Lage. So dient der grösste dieser Plätze – der Spichermattplatz – dem Aufenthalt und des Sich-Treffens über die Siedlung hinaus, während kleinere Plätze primär dem Heimkommen, dem spontanen Treffen oder der Aussenbespielung der Gewerbeflächen dient.
Verbindung mit den umliegenden Quartierstrukturen
Die städtebauliche Setzung reagiert differenziert auf die umliegenden Quartierstrukturen. An den Übergängen entstehen unterschiedliche Freiräume, welche sowohl räumliche wie auch soziale Ankerpunkte zur Umgebung darstellen. Von besonderer Bedeutung ist der Platz am Veronika-Gut-Weg, welcher eine neue kleine Mitte für das Spichermatt-Quartier darzustellen vermag.
Dorfbachwäldchen als grüne wilde Gegenwelt
Beim Dorfbach zwischen der Bebauung und der Autobahn entsteht ein dichter, wilder Grünfilter als Ergänzung zur bestehenden Vegetation entlang des Bachs. Dank des Bachs und der Retention des Regenwassers der Siedlung wird das Wasser als prägendes Element des früheren Schwemmgebietes spür- und aktiv erlebbar.
Durchlässig und vernetzt
Ein hohe Durchlässigkeit in alle Richtungen charakterisiert das Areal und dieses dichte Netz verbindet die Freiräume miteinander. Sämtliche übergeordnete Anknüpfungspunkte in Richtung Stans, Stansstad, in das rückwärtige Quartier und zum Länderpark sind aus allen Bereichen der neuen Bebauung attraktiv angebunden. Alle Wege sind hindernisfrei gestaltet und machen das Quartier für Jung und Alt gleichermassen zugänglich. Durch beidseitige Adressierungen der Gebäude entsteht eine sanfte Nuancierung der Öffentlichkeitsgrade, ohne ein Hinten und Vorne zu erzeugen.
Vielfältiger, leicht strukturierter Hof mit einer Mitte
Der Hof ist durch die thematische Gliederung der beiden Gassen und der leichten Strukturierung durch den Gemeinschaftsraum und dem Aussenraum der Kindertagesstätte atmosphärisch und thematisch vielfältig. Da, wo sich die Wege kreuzen und die Gemeinschaftsräume angeordnet sind, erhält der Hof eine leichte Auszeichnung dieses nachbarschaftlichen Knotenpunkts: Die Hofmitte als Ort, wo Gemeinschaft gelebt wird.
Atelierwohnungen – Arbeit im Innenhof und Ausblick ins Grüne
Die Atelierwohnungen im Erdgeschoss sind zweiseitig orientiert. Die Zone für Arbeiten ist zur Öffentlichkeit im Innenhof orientiert und bereichert den kommunikativen Charakter des Aussenraums. Eine Zwischenschicht aus Bad und Küche trennt die eher private Zone zum Wohnen und Schlafen, welche sich hofabgewandt und in den Grünraum am Siedlungsrand hin öffnet. Aufgrund der hohen Lärmschutzwand der Autobahn befinden sich diese Fensteröffnungen im Lärmschatten und halten die entsprechenden Grenzwerte ein.
Kommunikative Erschliessungsräume im Erdgeschoss
Die erdgeschossigen Zugänge in die vier Gebäude sind von mehreren Seiten möglich. Sie sind immer zum Innenhof orientiert und bieten zudem Anbindungen an den Siedlungsrand. Entlang der Stansstaderstrasse erstrecken sich die Erschliessungsflächen als rue intérieure längs durch die gesamten Baukörper und verbinden so nicht nur alle Hauszugänge, sondern auch die kollektiv genutzten Räume für Velos und Waschküchen miteinander. Zudem bieten sich Zugänge und Blickbeziehungen zu den Gewerbeflächen und die beiden Gemeinschaftsräume. Einige wenige Brandschutztore gewährleisten die korrekte Fluchtwegsituation in der rue intérieure.
Die Wohnung über’m eigenen Geschäft
Dank der aussenräumlichen Aufweitungen entlang der Stansstaderstrasse ergeben sich geeignete Vorzonen vor den jeweiligen Gewerberäumen. Hier gibt es Möglichkeiten für Aufstellschilder, Gemüsekisten, Kleiderständer oder die Aussenmöblierung eines Cafés – der Strassenraum wird aufgewertet und zeigt neue Aufenthaltsqualitäten. Das Bodenniveau der Gewerberäume verläuft mit dem Gelände, sodass sich bei einem Teil der Flächen sogar 1.5-geschosshohe Räume ergeben. Hier bietet sich sogar die direkte Verbindung mit einer Wohnung im ersten Obergeschoss.
1'000 Velostellplätze bereichern das erdgeschossige Raumangebot
Alle Velostellplätze sind im Erdgeschoss vorgesehen. Ein Teil ist im Aussenraum an den jeweils sinnvollen Stellen platziert und teilweise gedeckt. Die innenliegenden Stellräume besitzen immer eine Anbindung an die Erschliessungsflächen der jeweiligen Gebäude und werden Teil des Raumkontinuums des Erdgeschosses. Die grosse Anzahl der Velostellflächen wird somit nicht in Nebenräume degradiert, sondern diese Flächen werden Teil der Begegnungsorte.
Zwei Grundrisstypologien ohne kontrollierte Wohnungslüftung
Das Projekt kommt ohne technische Wohnungslüftung aus, jede Wohneinheit kann vollständig über die Fenster natürlich gelüftet werden. An den kritischen Fassadenbereichen werden entweder lärmunempfindliche Räume wie Treppenaufgänge oder Bäder angeordnet, Küchen und Essbereiche über das angebundene Wohnzimmer lärmabgewandt gelüftet oder die Zimmer sind über eingezogene Loggien bzw. Balkone gelüftet. Die Lärmsimulation ergibt, dass dadurch ausschliesslich «grüne» Zimmer und ein geringer Anteil «gelber» Zimmer erreicht werden können. Insbesondere wird die Aufenthaltsqualität des gemeinsamen Siedlungsaussenraums durch die Lärmabschirmung stark erhöht und der Freiraum kann seiner Rolle als Ruhe- und Spielort gerecht werden.
Eine Siedlung braucht immer einen Kopf
Alle vier Gebäude sind mit 7 Vollgeschossen ausgebildet und erreichen die maximale Gebäudehöhe von 20.5m. Aus städtebaulicher Sicht schlagen wir eine Erhöhung des Kopfendes um drei weitere Geschosse vor. Im Zuge des Gestaltungsplans könnte diese Ausnahmeregelung geprüft werden, die Hochhausgrenze wäre damit noch nicht erreicht und auch hinsichtlich Flugverkehr wäre diese Erhöhung zulässig.