07.07 / Wohnhaus Bolleystrasse 33, Zürich

Ein ungleiches Geschwisterpaar

Stattliche Mehrfamilienhäuser prägen das Strassenbild im Quartier. Die bauliche Lücke auf der zum Hang orientierten Seite der Bolleystrasse wird durch die Überbauung der bis anhin mehrheitlich durch Sträucher und Bäume bewachsenen Reservoirparzelle geschlossen. Die städtebauliche Setzung der zwei Volumen, die sich unterschiedlich zur Strasse orientieren, entspricht der geltenden Rechtslage. Die gemeinsame Zugangssituation sowie die Aussenraumgestaltung fassen die zwei Mehrfamilienhäuser B33 und B35 jedoch wieder zu einer Anlage zusammen. Bzgl. Volumetrie, Ausrichtung, Wohnungstypologie und strukturellem Aufbau unterscheiden sie sich jedoch stark, was auch in ihrem Charakter und ihrer äusseren Erscheinung eine Entsprechung findet.

Aussenräume

Die Anlage ist in den stark abfallenden Hang integriert. Auf verschiedenen Niveaus sind private Aussenräume den entsprechenden Wohnungen zugeordnet. Strassenseitig sind den beiden Baukörpern Pflanztröge vorgelagert, welche die Hangsituation in abstrakter Weise widerspiegeln, die Gebäude im Boden verankern und einen hohen Grad an Privatheit für die Räume im Eingangsgeschoss, welche ausschliesslich zur Strasse orientiert sind, gewährleisten. Der gemeinsame Vorbereich zu den Eingangshallen zwischen den Gebäuden, die Zufahrt zur gemeinsamen Tiefgarage sowie die Besucherparkplätze sind zwischen den Pflanzentrögen klar ablesbar.

Wohnungen

Das Mehrfamilienhaus B33 beherbergt auf fünf Geschossen acht Eigentumswohnungen, deren Charakter dem des klassischen grossbürgerlichen Wohnens entspricht: Grosszügige Wohnküchen separieren sich von den grosszügigen Wohnräumen; geschlossene Loggien erweitern den Wohnraum oder sind als zusätzliche Zimmer nutzbar.

Erscheinungsbild

Die einzelnen Geschosse werden durch horizontale Sichtbetonbänder nachgezeichnet; Waschputzflächen verbinden zum einen die grosszügigen Fensterelemente im Geschoss, thematisieren aber auch als vertikale z. T. segmentierte Waschputzbänder die über die Geschosstypologien versetzten, das Gebäude strukturierenden Fenster. An den mehrheitlich geschlossenen Seitenfassaden stellen vertikale Lamellen aus Holz die gewünschte Privatheit her. Ergebnis ist ein differenziertes Geflecht aus unterschiedlichen Materialen, die jedoch mehrheitlich aus ähnlichen Baustoffen bestehen. Aufgrund des Einsatzes von unterschiedlichen Zuschlagsstoffen v. a. aber aufgrund der verschiedenen Verarbeitungsmethoden ergeben sich unterschiedliche aber allesamt lebendige Oberflächen – eine Collage einer authentischen Materialisierung, die auch das Erscheinungsbild des B35 prägt und somit die Verwandtschaft des ungleichen „Geschwisterpaars“ wieder erahnen lässt.

Planungsteam

  • Auftraggeber – Finereal AG
  • Architektur – agps architecture ltd. / Studie: Marc Angélil, Hanspeter Oester, Reto Pfenninger (PV), Manuel Scholl, Philipp Bollier, Maike Funk, Denise Ulrich (PL) / Projekt: Britta Brauer (PL Realisierung), Markus Gontarz, Mic Hendriksen (PL Projektierung), Sämi Konrad, Manuel Oswald, Reto Pfenninger (PV), Cornelia Sutter, Barbara Vogel, Viviane Weber
  • Kunst – Blanca Blarer
  • Kosten und Bauleitung – Renokonzept Bauleitungs AG
  • Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG
  • Gebäudetechnik – ALCO-Haustechnik AG, Mettler + Partner AG
  • Spezialisten – BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH
  • Fotografie – Reinhard Zimmermann

Fertigstellung – 2011