10.09 / Schulanlage Blumenfeld, Zürich

Fertigstellung, 2016

Studienauftrag, 1. Preis, 2010

Fuchur

Zwei Wahrnehmungsebenen prägen das Bild der Tagesschule – eine Aussen- und eine Innenwahrnehmung. Zum einen wird mit einem eigenständigen Baukörper der Bedeutung der Schule als öffentlicher Bau im Quartier Ausdruck verliehen – das Schulhaus Blumenfeld als Haus. Zum anderen werden Innenwelten geschaffen, die von unterschiedlichen Nutzern (Schülern, Lehrern, Betreuern, Quartier- und Turnvereinen, etc.) tagtäglich erlebt werden – das Schulhaus als Cluster von Häusern.

Innensicht: die Häuser

Die Schulzimmer, sei es für die Grund- oder Primarstufe, sind die zentralen Elemente der Anlage. Sie sind als kleine Häuser konzipiert, die in einem Gefüge von innen liegenden ‹Gassen›, ‹Höfen› und ‹Vorplätzen› eingebettet sind. Die Schulzimmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihrer Orientierung nicht längsseitig, sondern quer zur Fassade angeordnet sind – eine Massnahme, die einen kompakten und ökonomischen Baukörper ermöglicht. Kleine Höfe und Oberlichter tragen dazu bei, dass die Schulzimmer jeweils von zwei Seiten belichtet werden. Die beidseitige Ausrichtung der Schulräume in der Primarstufe unterstützt unterschiedliche Formen des Unterrichts – mit beispielsweise einer ruhigen Lernzone im Fassadenbereich und einer intimeren zum Hof orientierten Nische für Gruppenarbeiten. Um einen optimalen Tageslichteinfall im Kindergarten zu gewährleisten, ist die Raumhöhe entsprechend hoch. Mit diesem Massstabssprung haben sozusagen die «Kleinen» die höchsten Räume. Zudem sind die Schulzimmer in einem Geflecht von Nutzungen integriert (Gruppenräume, Lernzonen, Arbeitsnischen, Ausstellungsflächen, Garderoben, etc.), die jeweils besondere räumliche Merkmale aufweisen. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Kontext, der jeweils durch verschiedene Nutzungszuordnungen und Tageslichtqualitäten gekennzeichnet ist. Mehrere Schulzimmer bilden gemeinsam ein Cluster, deren Aneinanderreihung wiederum grössere Einheiten unterschiedlicher Atmosphäre definiert: die Grundschule und Betreuung im Erdgeschoss und die Primarstufe darüber. Verbunden werden die Plateaus mit einer Treppenanlage, an welcher die öffentlichen Nutzungen des Schulhauses angegliedert sind: die Eingangshalle, die Bibliothek, die Räume für den Musik- und Werkunterricht, der Mehrzweckraum und die Turnhalle. Diese bilden quasi den Kopf der Anlage und sind zum öffentlich zugänglichen Allwetterplatz mit Spielwiese orientiert. Was entsteht ist eine kleine Stadt – ein grosses Haus, das aus vielen kleinen Häusern besteht – und in der Folge ein Netz vielfältiger Zuordnungen, Bedeutungen und Identifikationsmöglichkeiten.

Planungsteam

  • Auftraggeber – Stadt Zürich, Immobilien-Bewirtschaftung
  • Architektur – Hanspeter Oester Reto Pfenninger Architekten / Wettbewerb: Julia Rubin (PL), Micha Henny, Andreas Weiz / Projekt: Julia Rubin (PL), Julian Amann, Stefan Berle, Heike Biechteler, Britta Brauer, Melissa Flores, Olympia Georgoudaki, Mirza Kalac, Johannes Leibundgut, Florian Schrott, Stefan Willener, Eric Wolfensberger
  • Kunst – Blanca Blarer, Costa Vece
  • Landschaftsarchitektur – Nipkow Landschaftsarchitektur AG
  • Kosten und Bauleitung – GMS Partner AG
  • Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG
  • Gebäudetechnik – Amstein + Walthert AG
  • Spezialisten – Axet GmbH, BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, Braun Brandsicherheit AG, Friedli Partner AG
  • Fotografie – Reinhard Zimmermann